Andenken an Pier
Pier hat eine sehr lange Geschichte. In fränkischen Gräbern wurden sogenannte Matronensteine gefunden. Diese Steine stammten wahrscheinlich aus einem römischen Tempel in der Nähe des Dorfes. Darauf weisen archäologische Funde hin. Sicher ist, dass schon im frühen Mittelalter Menschen in Pier lebten. Das zeigen Gräber aus dem 6. Jahrhundert. Diese Gräber gehörten zu den Merowingern. Sie wurden unter der Kirche und an einer anderen Stelle im Ort entdeckt.
Zum ersten Mal wurde eine Kirche mit eigener Pfarrei im Jahr 922 schriftlich erwähnt. Bis zum Jahr 1804 gehörten Jüngersdorf, Stütgerloch, Luchem, Lucherberg, Merken, Schophoven mit Müllenark, Pommenich und Vilvenich zur Pfarrei Pier. Im Jahr 1806 kam Bonsdorf dazu. Im Dorf gab es mehrere Höfe. Sie gehörten verschiedenen Klöstern, zum Beispiel den Klöstern Gerresheim und Brauweiler.
Seit dem Hochmittelalter bestimmten die Grafen und später die Herzöge von Jülich viele Jahrhunderte lang das Leben der Menschen. Die Dörfer der Pfarrei Pier bildeten zusammen den Gerichtsbezirk Pier-Merken. Dort sprachen Schöffen Recht und kümmerten sich um wichtige Aufgaben in der Gemeinde. Der Amtmann dieses Gerichtsbezirks war über mehrere Generationen der jeweilige Freiherr von Müllenark. Meistens fanden die Gerichtsverhandlungen auf Gut Müllenark statt.
Seit dem 18. Jahrhundert lebten auch einige jüdische Familien in Pier. Ihr Friedhof lag ungefähr 1,2 km nördlich des Ortes am Lendersdorfer Mühlenteich.
Im Jahr 1794 marschierte die französische Revolutionsarmee ein. Damit ging die Zeit des Herzogtums Jülich zu Ende. Kirchen und Klöster mussten ihren Besitz abgeben. Dieser Besitz wurde verkauft. Neue Verwaltungsgebiete ersetzten die alten Gerichtsbezirke. Unter der preußischen Herrschaft wurde 1816 aus der französischen Mairie die Bürgermeisterei Pier. Zu ihr gehörten Pier, Schophoven, Lucherberg, Luchem, Jüngersdorf und Stütgerloch. Im Jahr 1934 wurde die Bürgermeisterei Teil des Amtes Lucherberg.
Auch im 19. Jahrhundert lebten die Menschen in Pier vor allem von der Landwirtschaft. Viele Arbeiter hatten Arbeitsplätze in den Fabriken der Umgebung. Dafür mussten sie teilweise lange Strecken zu Fuß gehen. Im Jahr 1903 eröffnete in Pier die Lumpensortieranstalt A. Heymann. Neben der schon bestehenden Brauerei Wirtz war sie lange Zeit der einzige größere Arbeitgeber im Ort.
Im Jahr 1908 wurde Pier zum Endpunkt der Straßenbahnlinie von Düren. Die Straßenbahn beförderte Menschen und Waren. Im Jahr 1927 wurde die Strecke bis Inden verlängert. Ab 1965 wurden die Fahrgäste mit Bussen befördert. Der Gütertransport mit der Bahn wurde beendet und die Gleise wurden abgebaut.
Ab dem Jahr 1908 bekam das Dorf Strom. Eine Wasserleitung wurde erst zwischen 1939 und 1941 gebaut.
Der 2. Weltkrieg wurde durch die Machtgier und die schlimmen Ideen des nationalsozialistischen Regimes ausgelöst. Viele Menschen starben. Ein Einwohner aus Pier, der Mitglied der Kommunistischen Partei war, wurde in einem Konzentrationslager ermordet. Die jüdischen Angehörigen der Familie Cahn, die noch in Pier lebten, gelten als verschollen. Weitere Informationen über die jüdischen Einwohner finden Sie auf der Tafel „N02 Erinnerung an die jüdischen Einwohner“.
Im Herbst und Winter 1944/45 kämpften amerikanische und deutsche Soldaten um die Übergänge über die Inde und die Rur. Große Teile der Umgebung wurden dabei zerstört. Besonders schwer wurde Pier getroffen. Am Ende des Krieges waren alle Gebäude im Ort kaputt. Pier war fast nicht mehr bewohnbar. In den Jahren danach wurden die zerstörten Häuser wieder aufgebaut. Außerdem entstanden neue Wohngebiete.
Mitte der 1960er Jahre ließen sich zwei Betriebe in Pier nieder. Einer stellte Geräte her, der andere arbeitete im Maschinen- und Stahlbau. Beide Betriebe nutzten das Gelände der früheren Lumpensortieranstalt und die Flächen in der Nähe. Nach 1971 entstand nördlich der Rur das Gewerbegebiet Pier. Es wurde rund um das große Loch einer früheren Kiesgrube gebaut.

| März 2005: | begann die Umsiedlung. |
| Mai 2008: | fand der letzte Gottesdienst in der Kirche von Pier statt. |
| Februar 2012: | wurde die Kirche abgerissen. |
| September 2013: | war die Umsiedlung abgeschlossen. |
Das alte Pier gibt es heute nicht mehr. Der Name Pier ist aber erhalten geblieben. Am neuen Umsiedlungsort Langerwehe-Pier ist Pier weiterhin ein eigener Ortsteil.
Mehr über die Umsiedlung erfahren Sie an der Station „S05 Umsiedlung Pier“.
