Erinnerung an Altdorf
Ausgrabungen zeigen: In Altdorf lebten schon um 5500 vor Christus Menschen. Damals gab es die bandkeramische Kultur. Die Menschen lebten dort aber wahrscheinlich nicht ständig. Seit der Zeit der Römer war Altdorf durchgehend bewohnt. Das zeigen mehrere Matronensteine. Diese Steine wurden als Geschenke für Göttinnen aufgestellt. Sie gehören zur keltischen Kultur.

Im Mittelalter wurde der Name Altdorf unterschiedlich geschrieben. Die Namen gingen wahrscheinlich auf lateinische Wörter zurück. Sie bedeuteten „Alta ripa“ (Hohes Ufer) oder „Ad alta ripam“ (zum hohen Ufer). Im Laufe der Zeit wurde daraus der Name „Otorp“. Später wurde der Name wieder verändert. So entstand der heutige Name „Altdorf“.
Die frühe Neuzeit war für die Menschen in unserer Heimat eine schwere Zeit. Es gab viel Krieg, Armut und Hunger. Zuerst gab es die Reformationskriege. Danach begannen die Jülicher Erbfolgekriege. Die Stadt Jülich wurde zweimal belagert. Bei den Kämpfen litten die Dörfer in der Umgebung besonders stark. Die Soldaten verlangten viel Geld und nahmen den Menschen wichtige Dinge weg. Manche Bauern und auch die Gemeinde mussten deshalb ihr letztes Land verkaufen oder verpfänden. Das bedeutete: Sie gaben ihr Land als Sicherheit für geliehenes Geld. Von 1665 bis 1669 gab es außerdem schlimme Pestjahre. Viele Menschen starben an dieser Krankheit.
Nach etwa hundert ruhigeren Jahren erlebte Altdorf eine große Katastrophe. Am 2. August 1856 brach im Dorf ein Feuer aus. Die Dächer waren mit Stroh gedeckt und durch die Sonne sehr trocken. Deshalb breitete sich das Feuer schnell aus. Als Hilfe kam, brannte es schon an mehreren Stellen im Dorf. Die Kirche, die Schule und 24 Häuser mit Scheunen und Ställen wurden zerstört. Die Menschen bauten das Dorf unter großen Anstrengungen wieder auf. Danach entwickelte sich Altdorf wieder zu einem ruhigen Dorf. Die meisten Menschen lebten von der Landwirtschaft.
Für Altdorf wurde es im Zweiten Weltkrieg wieder sehr schlimm. Ab Herbst 1944 wurde das Tal der Inde und der Rur zu einem Kampfgebiet. Schon am 3. September 1944 schlugen die ersten Granaten im Dorf ein. Danach gab es immer wieder Beschuss und Bombenangriffe. Am 19. November 1944 mussten die Menschen Altdorf verlassen. Die deutschen Behörden ordneten diese Zwangsevakuierung an. Sie wollten verhindern, dass noch mehr Menschen im Dorf starben.
Am 28. November 1944 wurde Altdorf von amerikanischen Soldaten besetzt. Die Soldaten kamen aus Richtung Aldenhoven und Pattern. Sie drangen früh am Morgen im Dunkeln in das Dorf ein. Die deutschen Soldaten waren auf den Angriff nicht vorbereitet. Sie leisteten kaum Widerstand und gaben Altdorf auf.
Nach dem Krieg entwickelte sich Altdorf wieder zu einem schönen Dorf. Zusammen mit Pattern und Kirchberg bildete Altdorf eine eigene Verwaltung im Amt Inden. Am 1. Januar 1972 wurde Altdorf ein Ortsteil der neuen Gemeinde Inden.
In den 1980er-Jahren wussten die Menschen, dass Altdorf bald umgesiedelt werden sollte. Deshalb verkauften die ersten Bewohner ihre Häuser und zogen fort. Viele blieben in der Nähe von Inden. Sie suchten sich in den Nachbargemeinden ein neues Zuhause. Andere zogen weiter weg. Ein Landwirt zog sogar bis an die Ostsee.
Nachdem RWE die Häuser gekauft hatte, veränderte sich das Dorf stark. Die gekauften Häuser wurden nach und nach abgerissen. Dadurch entstanden immer mehr Lücken in den Straßen. Es wurde immer schwieriger, sich im Dorf zurechtzufinden. Viele ältere Menschen besuchten Altdorf später nicht mehr. Sie wollten das Dorf so in Erinnerung behalten, wie es früher einmal vollständig aussah.
Am 4. September 1999 wurde die Umsiedlung offiziell beendet. Damit hörte auch der Ort Altdorf auf zu existieren. Heute gibt es Altdorf nur noch in den Erinnerungen der früheren Bewohner und auf alten Bildern..
