Erinnerungen an jüdische Einwanderer
In der Gemeinde Inden lebten viele Jahre lang jüdische Familien. Sie wohnten vor allem in Frenz, Inden und Pier. Sie waren Nachbarn, betrieben Geschäfte und arbeiteten in den Orten.
Während der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wurden jüdische Menschen verfolgt. Sie mussten fliehen, wurden aus ihren Häusern vertrieben oder in Gefangenenlager gebracht. Viele wurden ermordet. Diese Verbrechen nennt man Shoa oder Holocaust.
In Inden gibt es keine Stolpersteine. Das sind kleine Gedenksteine im Boden. Sie erinnern an die jüdischen Menschen, die verfolgt oder ermordet wurden. Viele frühere Orte und Gebäude gibt es nicht mehr. Sie mussten dem Braunkohle-Tagebau weichen.
Seit wann genau jüdische Menschen in dieser Gegend lebten, weiß man nicht sicher. Die ersten bekannten Hinweise stammen aus dem Jahr 1701.
Damals lebten zum Beispiel Nathan Levi und Voss Levi in Pier-Bonsdorf. Voss Levi war Metzger. Auch in Frenz wird damals zum ersten Mal ein jüdischer Einwohner in einer alten Liste erwähnt.
Viele jüdische Familien lebten in Frenz, Lucherberg, Lamersdorf und Pier.
Zu ihnen gehörten Familien mit den Namen Cohen, Voss, Meyer, Hermann und Pszyrowski. Einige Familien lebten dort schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts, also seit mehr als 200 Jahren.
In Pier lebte die Familie Cahn von 1871 bis 1938. Sie führte eine Metzgerei. Im Jahr 1938 wurde ihnen das Geschäft weggenommen und anderen Menschen übergeben. Es gab auch die Familie Bloch in Pier. Sie arbeitete in der Fabrik von Abraham Heymann.
In den Orten Pattern, Kirchberg und Inden lebten viel weniger jüdische Menschen. In Altdorf und Pattern sind keine jüdischen Einwohnerinnen und Einwohner nachweisbar.
Gustav Keusch und Louis Levy Cohen lebten in Inden. Sie führten dort eine Metzgerei an der Hauptstraße, an der Ecke zur Neustraße. Dieser Ort wurde auch „Senksch Eck“ genannt.
Einige Familien zogen später nach Jülich, Düren oder Köln. Dort gab es Synagogen. Eine Synagoge ist ein Gotteshaus für jüdische Menschen. In Frenz und Pier gab es nur kleinere Räume zum Beten. In beiden Orten gibt es noch einen kleinen jüdischen Friedhof.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Inden und Pier zwei große Betriebe. Dort wurden alte Stoffe, Kleidung und Lumpen sortiert. Diese Stoffe konnten danach weiterverwendet werden.
Die Firmen waren wichtig für die Gemeinde. Sie gaben etwa 200 bis 300 Menschen, meistens Frauen, eine Arbeit, sie zahlten Steuern an die Gemeinde und sie finanzierten die Straßenbahn von Düren über Pier nach Inden.

In Inden gab es seit 1873 auch schon einen Bahnhof für die Eisenbahn.
Eine der beiden Firmen gehörte Abraham Heymann und stand in Pier. Die andere gehörte Walther Lichtenstein und hieß W. Heymann. Sie stand in Inden. Beide Unternehmer waren jüdisch und stammten ursprünglich aus Köln. Die beiden Familien waren aber nicht miteinander verwandt.
Schon 1930 entstand in Inden eine Gruppe der NSDAP. Die NSDAP war die Partei von Adolf Hitler. Als Hitler 1933 an die Macht kam, begann auch in Inden die Verfolgung jüdischer Menschen immer stärker.
Die Firma W. Heymann wurde den jüdischen Besitzern nach und nach weggenommen. Bis 1938 gehörte sie vollständig nicht-jüdischen Menschen. Dieses Wegnehmen jüdischer Geschäfte nannte man damals „Arisierung“.
Die Familien der beiden Firmenbesitzer konnten fliehen. Die Familie von Walther Lichtenstein floh in die Schweiz. Die Familie von Abraham Heymann floh nach England.
Sie überlebten. Einige andere Familienmitglieder wurden jedoch in der Shoa ermordet. Nach dem Krieg bekam Walther Lichtenstein seine Firma zurück. Er lebte später in Basel in der Schweiz und kam nie wieder nach Inden. Die Familie Heymann blieb in England.
Schon 1937 lebten keine jüdischen Menschen mehr in Inden. Ab 1941 waren auch Frenz, Pier und Lucherberg ohne jüdische Einwohnerinnen und Einwohner.
Viele jüdische Menschen wurden zuerst in Sammellager gebracht. Das waren Orte, an denen sie festgehalten wurden. Danach wurden sie in Konzentrationslager deportiert. Dort wurden Menschen gefangen gehalten, misshandelt und sehr viele von ihnen ermordet.
In Kirchberg gab es ein solches Sammellager. Es hieß Villa Buth und war früher eine Villa der Papierfabrik Carl Eichhorn. Von dort wurden ungefähr 150 jüdische Menschen in Konzentrationslager gebracht.
Von vielen Menschen aus Inden weiß man bis heute nicht genau, was mit ihnen geschehen ist. Sie gelten als verschollen. Von der Familie Cahn aus Pier sowie von den Familien Pszyrowski und Hermann aus Frenz weiß man, dass sie „abgeholt“ wurden.
Diese Tafel erinnert an alle jüdischen Menschen aus den Orten der Gemeinde Inden, die in der Shoa ermordet wurden.
Ein jüdisches Sprichwort sagt:
„… denn tot sind nur die Vergessenen.“
Darum ist es wichtig, sich an die Menschen und ihre Namen zu erinnern.
Die Namen der ermordeten Juden kann man bei den Zusatzinfos im Internet nachlesen.
