Umsiedlung von Altdorf und Inden
Schon in den 1930er Jahren wussten die Menschen in den Ortsteilen der damaligen Gemeinde Inden, dass ihre Dörfer vielleicht umziehen mussten. Im Jahr 1935 änderten die Nationalsozialisten das deutsche Berggesetz. Dadurch konnten große Tagebaue entstehen. Für diese Tagebaue mussten manchmal ganze Orte umgesiedelt werden. 1935 wurde der Tagebau Zukunft eröffnet. Dort wurde der erste Schaufelradbagger eingesetzt. Später entstanden der Tagebau Inden mit den beiden Bereichen Inden I und Inden II.
Der Tagebau Inden war ab 1969 zunächst stillgelegt. Im Jahr 1981 wurde er wieder geöffnet. Danach begann die Gemeinde mit der genauen Planung für den Umzug der drei Orte Inden, Altdorf und Pier. Diese Umsiedlung war im Rheinischen Braunkohlerevier etwas Besonderes.
Zum ersten Mal musste ein größerer Ort mit wichtigen Einrichtungen, hier Inden, umziehen.
Außerdem war es die größte zusammenhängende Umsiedlung. Etwa 4.500 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Rund 60% der Einwohner der Gemeinde zogen um. Etwa 60% der Gemeindefläche wurden für den Tagebau gebraucht.
Ungefähr die Hälfte der umziehenden Menschen wohnte zur Miete.
Zum ersten Mal wurden außerdem zwei neue Standorte für die Umsiedlung ausgewiesen. Einer davon lag sogar außerhalb der Gemeinde. Im Jahr 1990 entschied sich der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen gegen die Meinung des Braunkohlenausschusses dafür, dass Pier später umgesiedelt werden sollte. Deshalb konnten die etwa 1.700 Einwohner von Pier erst ab 2005 am gemeinsamen Umzug teilnehmen.
Die Grundlage war die Idee einer gemeinsamen Umsiedlung. Für alle betroffenen Menschen sollte es einen neuen Ort geben. Dort sollten die Familien, Nachbarn, Vereine und Geschäfte möglichst zusammenbleiben können. Das Bergbau-Unternehmen kaufte die Grundstücke an den neuen Umsiedlungsorten. Die Menschen konnten ihr altes Grundstück gegen ein gleichwertiges neues Grundstück tauschen. Mit dem Geld für ihr altes Haus konnten sie am neuen Ort ein neues Haus bauen. Das galt auch für die Kirchen, das Rathaus, den Kindergarten und die Grundschule.

Im Jahr 1983 fragte der Regierungspräsident von Köln die Menschen, wohin sie umziehen wollten. Auch die Nachbargemeinden boten Baugrundstücke an.
Für die Gemeinde Inden war das Ergebnis enttäuschend. Der Regierungspräsident legte im Braunkohlenplan zwei Umsiedlungsorte fest. Einer lag bei Inden-Lamersdorf. Der zweite lag in der Nachbargemeinde Langerwehe-Jüngersdorf. Im Jahr 1990 entschied der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen, dass Pier später, zwischen 2005 und 2015, umziehen sollte. Inden und Altdorf sollten bereits zwischen 1990 und 2000 umgesiedelt werden.

Die Gemeinde Inden plante den neuen Ort rund um Haus Lützeler. Das Gebiet hatte einige schwierige Stellen. Deshalb wurde es auch „Bermuda-Dreieck“ genannt. Es war die einzige große zusammenhängende Fläche innerhalb der Gemeinde, die nicht für den Tagebau gebraucht wurde.
Außerdem lag sie in der Mitte und war von den anderen Orten Frenz, Lamersdorf und Lucherberg gut zu erreichen. Schon 1969, also vor der Neuordnung der Gemeinden, hatte die Politik beschlossen, das Schulzentrum Merödgen neu zu bauen. Das Schulzentrum liegt nur etwa 300 Meter vom neuen Umsiedlungsort entfernt und gehört baulich zu ihm.
Den neuen Umsiedlungsort plante das Aachener Planungsbüro HelmerMeyerSeiler. Die Planer orientierten sich an den alten Wegen rund um Haus Lützeler. An der Goltsteinstraße sollte ein Zentrum mit Geschäften und Verwaltungsgebäuden entstehen.

Die Rathausstraße geht in die Hauptstraße über. An beiden Straßen stehen Häuser mit zwei oder drei Stockwerken dicht nebeneinander. Die Straßen führen zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt des Ortes. Dort gibt es Kirchen, eine Grundschule, einen Kindergarten und ein Bürgerhaus mit einem Driesch. Der Wohnbereich liegt zwischen einem früheren Bahndamm und der Aue des Wehebachs. Am Bahndamm wurde ein Dorfgebiet eingerichtet. Dort konnten die Menschen, wie früher in den alten Orten, Tauben oder Hühner halten. In Richtung Autobahn entstand ein Gewerbegebiet für Handwerksbetriebe. Daneben wurden Flächen für kleinere landwirtschaftliche Betriebe eingerichtet.
Bauernhöfe mit Vieh konnten dort wegen der Gerüche und anderer Belastungen nicht gebaut werden. Einige dieser Höfe siedelten sich deshalb im Weiler Pattern oder an anderen Orten an. An der Autobahn A4 wurde ein Wall zum Schutz vor dem Lärm gebaut. Als Pier im Jahr 2005 umziehen konnte, wurde das Gebiet östlich des Wehebachs bis zur Waagmühle bebaut. Eine Brücke verbindet diesen Bereich mit dem Ortszentrum. Im Jahr 1998 wurde der Abschluss der Umsiedlung von Inden und Altdorf gefeiert. Im Jahr 2013 war auch der Umzug von Pier beendet. Rund 60% der Menschen aus Inden und Altdorf ließen sich im neuen Ort Inden/Altdorf nieder. Der Ort ist 56 Hektar groß. Mit 3.867 Einwohnern ist Inden/Altdorf heute der größte Ort der Gemeinde Inden. Die Gemeinde hatte am 31. Dezember 2022 insgesamt 7.502 Einwohner.
