Umsiedlung Pier
Die Umsiedlung von Pier zeigt, wie eine Umsiedlung nicht gut geklappt hat. Schon seit 1958 beschäftigten sich die Menschen in Pier mit ihrer Umsiedlung. Damals wurde der Tagebau Zukunft eröffnet. Im Jahr 1969 wurde der Tagebau durch die Tagebaue Inden I und II weitergeführt. Seit 1935 gehörte Pier zum Amt Lucherberg. Dazu gehörten auch die Orte Lamersdorf, Lucherberg, Luchem, Frenz und Schophoven. Pier war mit 1.788 Einwohnern die größte Gemeinde. Mit einer Fläche von 9,76 km2 war Pier auch der größte Ort in der Gemeinde Inden. Die Gemeinde Inden entstand im Jahr 1972. 27% ihrer Fläche gehörten zu Pier.
Im Jahr 1983 bereitete die Bezirksregierung Köln eine Befragung vor. Die Menschen sollten sagen, wohin Pier umgesiedelt werden könnte. 68% der Pierer machten bei der Befragung mit. Das zeigte: Die Menschen wollten über ihre Zukunft mitbestimmen. Die meisten wollten aber nicht in der Gemeinde Inden bleiben. 56,6% entschieden sich für einen neuen Ort in der Nachbargemeinde Langerwehe. Zum ersten Mal wurden deshalb zwei mögliche neue Standorte für einen Ort festgelegt: Langerwehe-Jüngersdorf und Inden-Lamersdorf. Trotzdem entschied der Umweltminister von Nordrhein-Westfalen im Jahr 1990, dass Pier nicht gleichzeitig mit Inden und Altdorf umgesiedelt werden durfte. Die Umsiedlung sollte erst später stattfinden, nämlich von 2005 bis 2015. Ein Gutachter namens Professor Zlonicky meinte, dass diese spätere Umsiedlung für die Menschen besser sei. Die Menschen, die später den Ort Pier verlassen müssen, sollten selbst über ihre Zukunft entscheiden. Diese Entscheidung war ein Schock für die Gemeinde Inden. Sie würde viele Einwohner verlieren und fürchtete um ihre Zukunft. Auch für die Menschen in Pier war die Entscheidung sehr belastend. Bis zum Jahr 2005 durfte das Bergbau-Unternehmen in Pier keine Häuser kaufen. Eine Ausnahme gab es nur für besondere Notfälle. Solche Fälle nannte man „Härtefälle“.
Während der neue Ort in der Nähe von Langerwehe geplant und gebaut wurde, erarbeitete die Gemeinde Inden zwei neue Baugebiete. Sie hießen „Gut Müllenark“ in Schophoven und „Waagmühle“ in Inden/Altdorf. Damit sollten die Pierer in der Gegend bleiben können. Als die Umsiedlung im Jahr 2005 begann, lebten von den früheren 1.788 Einwohnern nur noch 1.142 Menschen in Pier. 36% der Bewohner waren schon aus beruflichen oder familiären Gründen weggezogen. Besonders viele junge Menschen hatten Pier verlassen. Ihre Häuser konnten sie kaum verkaufen, weil fast niemand mehr diese Häuser kaufen wollte. Deshalb vermieteten viele ihre Häuser. Einige wenige konnten sie trotzdem verkaufen. Bis zum Jahr 2005 durfte die Firma Rheinbraun nur in 12 besonderen Härtefällen Häuser kaufen.
Am 24. April 2004 berichtete die Dürener Zeitung, dass die ersten 30 Häuser in Pier abgerissen werden sollten. Die gemeinsame Umsiedlung hatte zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht begonnen. Dadurch verlor Pier weitere Einwohner. Die Zusammensetzung der Bevölkerung veränderte sich stark. Die Gemeinschaft im Dorf und in den Vereinen zerfiel immer mehr. Auch die persönlichen Pläne vieler Menschen wurden gestört. Der Gutachter Zlonicky hatte im Jahr 1988 gesagt, dass alle Bewohner gemeinsam an einen neuen Ort ziehen sollten. Nur so könne die Umsiedlung für die Menschen gut verträglich sein. Durch den starken Verlust von Einwohnern war das aber nicht mehr möglich. Im Jahr 2001 führte die Bezirksregierung Köln eine neue Befragung durch. 23% der Haushalte in Pier wollten nach Schophoven ziehen. 44% wollten nach Langerwehe. 12% wollten in Inden bleiben. 18% machten keine Angaben. Deshalb wurde im neuen Plan nur Langerwehe als Umsiedlungsort für Pier festgelegt. In der Gemeinde Inden gab es keinen gemeinsamen Umsiedlungsort für Pier. Am 1. März 2005 begann die Umsiedlung von Pier. Im Jahr 2013 wurde sie beendet. Schon im Jahr 2005 bekam der neue Ort in Langerwehe den Namen „Pier“. Bis zum Abriss des alten Ortes gab es also zwei Orte mit dem Namen Pier. Das Bistum Aachen entschied, keine neue katholische Kirche für das neue Pier zu bauen. Die Glocke an der Waagmühle stammt aus der alten Kirche von Pier. In Langerwehe-Pier wurde eine vorhandene Kapelle vergrößert. Außerdem wurde ein neuer Friedhof angelegt. Die Gemeinde Langerwehe bezahlte ein Bürgerhaus. Einige Vereine sind auch in Langerwehe aktiv. Der Fußballverein FC Victoria Pier und der Mandolinenchor hatten sich im Jahr 2004 für Schophoven entschieden. Zusammen mit den Pierern entstand in Schophoven ein aktives Dorfleben. Vieles findet rund um den Dorfplatz und in der katholischen Kirche St. Barbara statt. Etwa 30% der Pierer zogen nach Langerwehe. 27% ließen sich in Schophoven im Baugebiet „Gut Müllenark“ nieder. Rund 15% fanden in Inden/Altdorf im Gebiet „An der Waagmühle“ ein neues Zuhause.

