Liebe Besucher

Sie haben den fünften Punkt der Südroute des GeschichtsPfades in Inden/Altdorf gefunden. Dieser Punkt ist Teil eines Projektes in allen Orten der Gemeinde Inden. Wenn Sie näheres dazu wissen möchtet, finden Sie alles weitere HIER

Der GeschichtsPfad in Inden/Altdorf besteht insgesamt aus 22 Punkten, die Sie in zwei Rundgängen erleben können. Näheres dazu finden Sie HIER

Unten finden Sie Infos zum Standort. Über die nachstehenden Symbole sind diese Informationen in verschiedene Sprachen übersetzt, ebenso in „Leichter Sprache“ und in Audioversion.

In Arbeit
In Arbeit
In Arbeit
Zusatzinfo Deutsch (später)
Zusatzinfo Deutsch (in Arbeit)
Audio

Umsiedlung Pier

Die Umsiedlung von Pier ist ein Beispiel, wie Sozialverträglichkeit von Umsiedlungen nicht zu verstehen ist!

Bereits seit 1958 beschäftigten sich die Pierer mit der Umsiedlung als der Tagebau Zukunft aufgeschlossen und 1969 durch den Tagebau Inden (I und II) weitergeführt wurde. Pier gehörte seit 1935 zum Amt Lucherberg mit den Gemeinden Lamersdorf, Lucherberg, Luchem, Frenz und Schophoven. Es war mit 1.788 Einwohnern die größte Gemeinde. Mit 9,76 km2 war er sogar der flächenmäßig größte Ort der 1972 gebildeten Gemeinde Inden, es entfielen 27% der Fläche auf das Gemeindegebiet.
1983, als die Bezirksregierung Köln die Umsiedlung von Inden, Altdorf und Pier mit einer Befragung zu den möglichen Umsiedlungsstandorten vorbereitete, beteiligten sich 68% der Pierer an der Befragung. Ein Zeichen, dass die Pierer ihre Zukunft gestalten wollten. Doch sie votierten nicht für einen Standort in der Gemeinde Inden. 56,6% der Befragten entschieden sich für den Umsiedlungs¬standort in der Nachbargemeinde Langerwehe. Erstmalig in der Geschichte der Umsiedlung im Rheinischen Braunkohlenrevier wurden zwei Umsiedlungsstandorte im Braunkohlenplan 1990 ausgewiesen: Langerwehe-Jüngersdorf und Inden-Lamersdorf. Doch entgegen dem Beschluss des Braunkohlenausschusses entschied der zuständige Umweltminister des Landes NRW 1990, dass Pier nicht zeitgleich (1990-1999) mit Inden und Altdorf umgesiedelt werden durfte, sondern zeitversetzt, erst in den Jahren 2005 bis 2015. Das Gutachten von Prof. Zlonicky kam zu dem Ergebnis, dass die zeitversetzte Umsiedlung sozialverträglich wäre. Es sollten die Generationen entscheiden, die umsiedeln. Nicht nur ein Schock für die Gemeinde Inden, die mit dem Verlust der Einwohner um ihre Existenz fürchten musste, sondern auch für die Pierer. Der Bergbaubetreibende durfte bis 2005 kein Haus in Pier erwerben mit Ausnahme von sogenannten „Härtefällen“.
Während der Umsiedlungsstandort in Langerwehe entwickelt wurde, erschloss die Gemeinde Inden die Baugebiete „Gut Müllenark“ in Schophoven und „Waagmühle“ in Inden/Altdorf, um die Pierer zu halten.

Als 2005 die Umsiedlung begann, lebten von den ursprünglich 1.788 Einwohnern nur noch 1.142 in Pier. 36% der Bewohner waren bereits aus beruflichen oder familiären Gründen weggezogen, besonders die junge Generation. Da der Immobilienmarkt zum Erliegen gekommen war, vermieteten sie ihre Häuser; Einzelne hatten „das Glück“, sie verkaufen zu können. Rheinbraun „durfte“ nur in 12 anerkannten Härtefällen über einen sogenannten Härtefallausschuss in der Zeit bis 2005 Häuser aufkaufen.

Am 24.04.2004 berichtete die Dürener Zeitung, dass die ersten 30 Häuser in Pier abgerissen werden, obwohl die gemeinsame Umsiedlung noch nicht begonnen hatte. Neben dem Einwohnerverlust kam es dadurch zu erheblichen Verschiebungen der Bevölkerungsstruktur und zum Zerfall der Dorfgemeinschaft und des Vereinslebens, aber vor allem zur Störung der persönlichen und privaten Lebensplanung.

Das entscheidende Argument des Gut­achters Zlonicky (1988) zur zeitversetzten Umsiedlung, „… das Konzept der gemeinsamen Umsiedlung, d.h. alle Bewohner wieder an einen einzigen Standort zusammenzuführen sei sozialverträglich…“, war schon durch den fortschrei­tenden Bevölkerungsverlust nicht zu erreichen. In einer erneuten Befragung 2001 durch die Bezirksregierung Köln sprachen sich 23% der Pierer Haushalte für den Standort in Schophoven aus, 44% für den in Langerwehe, 12% wollten in Inden bleiben, 18% machten keine Angaben. Den Ergebnissen entsprechend wurde im Braunkohlenplan nur der Umsiedlungsstandort in Langerwehe für Pier ausgewiesen, keiner in der Gemeinde Inden.

Am 01.03.2005 begann die Umsiedlung Pier; 2013 wurde sie für beendet erklärt. Schon 2005 erhielt der Umsiedlungsstandort in Langerwehe den Ortsnamen „Pier“, er wurde bis zur Abbaggerung doppelt geführt.

Das Bistum Aachen entschied, keinen Ersatz für die Pierer Katholische Kirche St. Maria der Unbefleckten Empfängnis zu schaffen. Die Glocke an der Waagmühle ist ein Relikt dieser Kirche. Am Umsiedlungs­standort Langerwehe wurde eine vorhandene Kapelle ausgebaut sowie ein Fried­hof geschaffen. Die Gemeinde Langerwehe finanzierte ein Bürgerhaus. Einige Vereine sind in Langerwehe aktiv. Der Fußballverein FC Victoria Pier und der Mandolinenchor haben sich 2004 für Schophoven ausgesprochen. In Schophoven ist zusammen mit den Pierern ein aktives Gemeinschaftsleben rund um den Dorf­platz und in der Katholischen Kirche St. Barbara entstanden.

30% der Pierer sollen sich in Langerwehe angesiedelt haben, 27% in Schophoven „Gut Müllenark“ und rund 15% haben „An der Waagmühle“ in Inden/Altdorf ihre neue Heimat gefunden.

Umsiedlungsstandort von Pier in Langerwehe

Zur Übersichtstafel Indemann HIER

Zur Übersicht Inden/Altdorf HIER