Liebe Besucher
Sie haben den zwölften Punkt der Südroute des GeschichtsPfades in Inden/Altdorf gefunden. Dieser Punkt ist Teil eines Projektes in allen Orten der Gemeinde Inden. Wenn Sie näheres dazu wissen möchtet, finden Sie alles weitere HIER
Der GeschichtsPfad in Inden/Altdorf besteht insgesamt aus 22 Punkten, die Sie in zwei Rundgängen erleben können. Näheres dazu finden Sie HIER
Unten finden Sie Infos zum Standort. Über die nachstehenden Symbole sind diese Informationen in verschiedene Sprachen übersetzt, ebenso in „Leichter Sprache“ und in Audioversion.
Erinnerung an Altdorf
Archäologische Funde belegen, dass die Ortslage von Altdorf bereits seit der bandkeramischen Epoche um 5500 v. Chr. zumindest sporadisch besiedelt war. Seit der römischen Zeit war der Ort durchgehend besiedelt, belegbar durch mehrere Matronensteine, die als Weihesteine aufgestellt wurden und aus der keltischen Kultur stammen.

Im Mittelalter gab es verschiedene Schreibweisen, die sich auf den lateinischen Begriff „Alta ripa“ – Hohes Ufer oder „Ad alta ripam“ – zum hohen Ufer zurückführen lassen. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus die Bezeich¬nung „Otorp“, die dann später mit der „gelehrten“ Rückbildung zu „Altdorf“ wurde.
Die frühe Neuzeit war in unserer Heimat insgesamt eine sehr unruhige Zeit mit viel Not und Entbehrungen. Es begann mit den Reformationskriegen. Als diese beendet waren, entbrannten die Jülicher Erbfolgekriege und die Drangsal ging weiter. Jülich wurde zweimal belagert und bei all diesen Kämpfen hatten die umliegenden Ortschaften am meisten zu leiden. Die vielen Repressalien veranlassten manchen Bauern und auch die Gemeinde, das letzte Land zu verkaufen oder zu verpfänden, um das geforderte Geld bezahlen zu können. Hinzu kamen die furchtbaren Pestjahre 1665-1669, die vielen Menschen das Leben kosteten.
Nach einem Jahrhundert relativer Ruhe erlebte Altdorf eine Katastrophe. Am 2. August 1856 hatte sich im Dorf ein Feuer entzündet. Eine Chronik berichtet: „Infolge der durch die Sonnenhitze ganz trockenen Strohdächer griff das Feuer ungemein schnell um sich. Ehe Hilfe zur Stelle sein konnte, war das ganze Dorf schon an verschiedenen und ganz voneinander entfernt liegenden Teilen angezündet. Kirche, Schule und 24 Häuser mit Scheunen und Stallungen wurden ein Raub der Flammen.“ Das Dorf wurde unter großen Opfern wieder aufgebaut und konnte sich wieder zu einem beschaulichen, landwirtschaftlich geprägten Ort entwickeln.
Schlimm wurde es für Altdorf, als das Inde- und Rurtal im Zweiten Weltkrieg ab Herbst 1944 Frontgebiet wurden. Bereits am 3. September 1944 fielen die ersten Granaten ins Dorf. Nun wechselten sich Granatbeschuss und Bombenabwürfe ab. Am 19. November 1944 wurde die Zwangsevakuierung für Altdorf befohlen, da ein weiterer Verbleib im Ort manches Leben gekostet hätte.
Schon am 28. November 1944 fiel der Ort in amerikanische Hände. Noch bei Dunkelheit am Morgen waren die Amerikaner, aus Richtung Aldenhoven und Pattern kommend, in den Ort eingedrungen. Dieser Angriff kam für die deutschen Truppen an dieser Stelle unvorbereitet und ohne nennenswerten Widerstand gaben sie den Ort auf.
Nach dem Krieg hat sich Altdorf zu einem lebenswerten Dorf entwickelt. Der Ort war, wie auch Pattern und Kirchberg, eine eigenständige Bürgermeisterei innerhalb des Amtes Inden. Im Zuge der kommunalen Neugliederung wurde Altdorf zum 01. Januar 1972 als Ortsteil in die neue Gemeinde Inden integriert.
In den 1980er Jahren begannen die ersten Einwohner mit Hinblick auf die anstehende Umsiedlung damit, ihre Häuser zu veräußern und fortzuziehen. Viele blieben im Umfeld von Inden und suchten sich ein neues Zuhause in den umliegenden Gemeinden, andere zogen weiter fort – ein Landwirt sogar bis an die Ostsee.
Mit dem Verkauf der Häuser an RWE hatte sich das Ortsbild grundlegend geändert. Die aufgekauften Häuser wurden sukzessive abgerissen. Durch den Abriss bekamen die ehemals geschlossenen Straßenzüge immer mehr Lücken, sodass eine Orientierung im Ort immer schwieriger wurde. Viele ältere Einwohner haben später den Ort nicht mehr besucht, weil sie ihn in seiner Vollständigkeit in Erinnerung behalten wollten.
Mit dem offiziellen Ende der Umsiedlung am 04. September 1999 hat auch der Ort Altdorf aufgehört zu existieren. Er lebt heute nur noch in der Erinnerung der früheren Bewohner oder in alten Bildern fort.





