Liebe Besucher
Sie haben den zweiten Punkt der Nordroute des GeschichtsPfades in Inden/Altdorf gefunden. Dieser Punkt ist Teil eines Projektes in allen Orten der Gemeinde Inden. Wenn Sie näheres dazu wissen möchtet, finden Sie alles weitere HIER
Der GeschichtsPfad in Inden/Altdorf besteht insgesamt aus 22 Punkten, die Sie in zwei Rundgängen erleben können. Näheres dazu finden Sie HIER
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Erinnerungen an jüdische Einwanderer
Auch in der Gemeinde Inden lebten über Generationen bis zum Nationalsozialismus (1933-1945) jüdische Bürger – vornehmlich in den Orten Frenz, Inden und Pier. Es gibt keine Stolpersteine (im Boden eingelassene Gedenksteine), die auf die Flucht, die Vertreibung, Deportation oder Vernichtung unserer jüdischen Bürger aus dieser Zeit hinweisen. Die meisten „Originalschauplätze“ mussten der Braunkohle weichen.
Wann sich in den Ortschaften der heutigen Gemeinde Inden Juden niederließen, kann abschließend nicht mehr geklärt werden. Erste Erwähnungen liegen für das Jahr 1701 vor, in dem ein Nathan Levi in Pier-Bonsdorf und ein Voss Levi als Metzger dort gelebt haben. Auch in Frenz wird in einem Hebezettel der „Neu-Judt“ erstmals urkundlich erwähnt. Die meisten jüdischen Familien lebten in den Orten des Amtes Lucherberg in Frenz, Lucherberg, Lamersdorf und Pier. Die jüdischen Familien Cohen, Voss, Meyer, Hermann und Pszyrowski hatten ihre Wurzel seit Beginn des 19. Jahrhunderts dort. Ein Teil der Familie Levy zog nach Lucherberg. In Pier lebte die Familie Cahn von 1871 bis 1938 als Ihre Metzgerei „arisiert“ wurde. Auch die Familie Bloch ließ sich in Pier nieder, da sie in der Lumpensortieranstalt des jüdischen Unternehmers Abraham Heymann in Pier arbeitete.
In den Ortschaften des Amtes Inden zu denen Pattern, Kirchberg, Inden und Altdorf gehörten, lebten weit weniger Juden. In Altdorf und Pattern sind keine nachweisbar. Gustav Keusch (*1907) und Louis Levy Cohen (*1907) ließen sich in Inden nieder und führten eine Metzgerei an der Hauptstraße/Ecke Neustraße (auch “Senksch Eck“ genannt). Mit dem wirtschaftlichen Umschwung zogen einige Familien nach Jülich, Düren oder Köln, da sie dort auch in die Synagogen gehen konnten. Frenz und Pier hatten nur einen Betraum. In beiden Orten befindet sich jeweils ein kleiner jüdischer Friedhof.

Besondere Erwähnung finden zwei Lumpensortieranstalten, die sich in Inden und Pier Anfang des 20. Jahrhunderts angesiedelten hatten. Sie waren neben der Papier- und Lederfabrik in Inden die größten Unternehmen, Arbeitgeber und Steuerzahler der Gemeinden. Sie beschäftigen jeweils 200-300 Mitarbeiter – meist weibliche Arbeiterinnen. Sie finanzierten die Straßenbahn von Düren über Pier nach Inden.

Sie siedelten sich an, da Inden 1873 einen eigenen Eisenbahnanschluss bekam über den sie ihre Lumpen, Tuche, u.a. zu den Tuchfabriken in Aachen, Mönchengladbach, Niederlande, aber auch zu den Häfen Neuss und Antwerpen transportieren konnten. Beide Lumpensortieranstalten, die A. Heymann in Pier und die W. Heymann in Inden – beide nicht miteinander verwandt – gehörten jüdischen Unternehmern (Walther Lichtenstein, Abraham Heymann), die ihren Ursprung in Köln hatten.
Schon 1930 – so ist nachgewiesen – gründete sich in Inden im ehemaligen Kreis Jülich die erste Ortsgruppe der NSDAP. Führende Funktionäre im Kreis Jülich kamen aus Inden. So ist es nicht verwunderlich, dass mit der Machtergreifung Hitlers 1933 die nationalsozialistischen Methoden zunehmend spürbar wurden. Schon 1933 wurde die W. Heymann „schleichend“, bis sie 1938 vollständig „arisiert“. Die Inhaber der W. Heymann und A. Heymann konnten mit ihren Familien in die Schweiz bzw. nach England fliehen. Sie überlebten, einige Familienmitglieder kamen in der Shoa um. Nur Walther Lichtenstein konnte im Zuge der Wiedergutmachung seine Firma, die W. Heymann, nach dem Krieg zurückbekommen. Er verbrachte sein Lebensende in Basel (Schweiz) und betrat nie mehr Inden. Die Familie von Abraham Heymann blieb in England.
Schon 1937 lebten keine Juden mehr in Inden, 1941 nicht mehr in Frenz, Pier und Lucherberg. Die Juden des Amtes Lucherberg wurden über die Sammellager in Düren (Gerstenmühle, Thuirsmühle) in die Konzentrationslager deportiert. Im Ort Kirchberg, der zum Amt Inden gehörte, befand sich das jüdische Sammellager Villa Buth, eine ehemalige Villa der Papierfabrik Carl Eichhorn. Von diesem aus wurden rd. 150 Juden in die Konzentrationslager deportiert. Ungewöhnlich viele Juden aus Inden gelten als „verschollen“, ihr Schicksal ist nicht mehr festzustellen. Von der in Pier lebenden Familie Cahn ist bekannt, dass sie „abgeholt“ wurden; ebenso von der Familie Przyrowski und Hermann aus Frenz.
Allen in unseren Orten geborenen und in der Shoa umgekommenen Juden sei diese Tafel – ein Gedenken an sie – erinnert und gewidmet. Denn das jüdische Sprichwort besagt „ … denn tot sind nur die Vergessenen.“ Die Namen derer, die in der Shoa umgekommen sind, sind der Zusatzinfo dieser Texttafel zu entnehmen.





