Liebe Besucher
Sie haben den dritten Punkt der Südroute des GeschichtsPfades in Inden/Altdorf gefunden. Dieser Punkt ist Teil eines Projektes in allen Orten der Gemeinde Inden. Wenn Sie näheres dazu wissen möchtet, finden Sie alles weitere HIER
Der GeschichtsPfad in Inden/Altdorf besteht insgesamt aus 22 Punkten, die Sie in zwei Rundgängen erleben können. Näheres dazu finden Sie HIER
Unten finden Sie Infos zum Standort. Über die nachstehenden Symbole sind diese Informationen in verschiedene Sprachen übersetzt, ebenso in „Leichter Sprache“ und in Audioversion.
Andenken an Pier
Pier hat eine lange Siedlungsgeschichte. Matronensteine, die in fränkischen Gräbern verbaut waren, stammen wohl aus einer römischen Tempelanlage unweit des Dorfes, darauf deuten archäologische Funde hin. Gesichert ist eine Besiedlung Piers im Frühmittelalter. Das belegen merowingische Gräber aus dem 6. Jahrhundert, die unter der Kirche und an einer weiteren Stelle im Ort entdeckt wurden.
Schriftlich erwähnt wird eine Kirche mit Pfarrei erstmals 922. Zur Pfarre Pier gehören bis 1804 Jüngersdorf, Stütgerloch, Luchem, Lucherberg, Merken, Schophoven mit Müllenark, Pommenich und Vilvenich; 1806 kommt Bonsdorf hinzu. Im Dorf gibt es mehrere Höfe, die verschiedenen Klöstern gehören, wie etwa Gerresheim und Brauweiler.
Seit dem Hochmittelalter bestimmen die Grafen, später die Herzöge von Jülich Jahrhunderte lang das Leben der Menschen. Die Dörfer der Pfarre Pier bilden den Dingstuhl Pier–Merken. In diesem Gerichtsbezirk sprechen Schöffen Recht und verwalten das zivile Gemeindeleben. Amtmann des Dingstuhles Pier-Merken ist über mehrere Generationen der jeweilige Freiherr von Müllenark. Dort auf Müllenark finden in der Regel auch die Gerichtsverhandlungen statt.
Seit dem 18. Jahrhundert leben einige jüdische Familien in Pier. Sie haben ihren Begräbnisplatz etwa 1,2 km nördlich des Ortes am Lendersdorfer Mühlenteich.
Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionsarmee sind 1794 auch die Tage des Herzogtums Jülich gezählt. Kirchen- und Klosterbesitz wird enteignet und verkauft. Neue Verwaltungsstrukturen ersetzen die alten Dingstühle. Unter preußischer Herrschaft wird 1816 aus der französischen Mairie die Bürgermeisterei Pier mit den Orten Pier, Schophoven, Lucherberg, Luchem, Jüngersdorf und Stütgerloch. 1934 geht die Bürgermeisterei im Amt Lucherberg auf.
Pier bleibt auch im 19. Jahrhundert überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Arbeiter, die in der Industrie der Umgebung beschäftigt sind, müssen teils lange Fußwege in Kauf nehmen. 1903 siedelt sich die Lumpensortieranstalt A. Heymann in Pier an, neben der schon bestehenden Brauerei Wirtz für lange Zeit der einzige größere Arbeitgeber im Ort.
1908 wird Pier der Endpunkt der Straßenbahnlinie von Düren, die sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr bedient. 1927 wird die Strecke bis Inden erweitert. 1965 wird der Personenverkehr auf Busverkehr umgestellt, der Güterverkehr eingestellt, die Gleise abgebaut.
Die Stromversorgung des Dorfes beginnt 1908, eine Wasserleitung wird erst zwischen 1939 und 1941 gebaut.
Der 2. Weltkrieg, ausgelöst durch den Größenwahn des Nazi-Regimes, fordert einen hohen Blutzoll. Im Konzentrationslager wurde ein Pierer Einwohner ermordet, der Anhänger der kommunistischen Partei war. Die noch in Pier lebenden Angehörigen der jüdischen Familie Cahn gelten als verschollen. Weitere Informationen zu den jüdischen Mitbürgern können sie auf der Tafel „N02 Erinnerung an die jüdischen Einwohner“ finden.
Die Kämpfe zwischen den amerikanischen und deutschen Truppen um den Inde- und Rurübergang im Herbst/Winter 1944/45 haben weite Teile der Region in Schutt und Asche versinken lassen. Ganz schlimm ist es in Pier. Dort gibt es bei Kriegsende kein unbeschädigtes Gebäude, der Ort ist beinahe unbewohnbar. Viele Jahre nach Kriegsende sind die zerstörten Häuser wieder aufgebaut und neue Siedlungen entstehen.
Mitte der 1960er Jahre lassen sich ein Betrieb für Apparatebau und einer für Maschinen- und Stahlbau auf dem brach liegenden Gelände der ehemaligen Lumpensortieranstalt und in deren unmittelbarer Nachbarschaft nieder. Nach 1971 entsteht nördlich der Rur rund um das Baggerloch einer ehemaligen Kiesgrube das Gewerbegebiet Pier.

| März 2005: | Beginn der Umsiedlung |
| Mai 2008: | Letzte Messe in der Pierer Kirche |
| Februar 2012: | Abriss der Kirche |
| September 2013: | Die Umsiedlung ist abgeschlossen |
Das alte Pier gibt es nicht mehr, der Name besteht am Umsiedlungsstandort Langerwehe-Pier als eigenständiger Ortsteil fort.





